{"id":1025,"date":"2025-11-13T20:30:00","date_gmt":"2025-11-13T20:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rumition.de\/?p=1025"},"modified":"2026-01-05T20:39:09","modified_gmt":"2026-01-05T20:39:09","slug":"wo-bleibt-denn-nun-dieser-einbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/2025\/11\/13\/wo-bleibt-denn-nun-dieser-einbruch\/","title":{"rendered":"Wo bleibt denn nun dieser Einbruch?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit zwei Jahren dominiert ein Begriff die wirtschaftliche Debatte in Deutschland: Rezession. Politiker warnen vor dem Schrumpfen der Wirtschaft, Medien berichten \u00fcber einen Einbruch der Industrie, Verb\u00e4nde sprechen von Standortkrise und Deindustrialisierung. Das Bild ist klar, d\u00fcster und scheinbar eindeutig. Es suggeriert einen \u00f6konomischen Absturz, einen Verlust an Substanz, einen Bruch mit der wirtschaftlichen Stabilit\u00e4t der vergangenen Jahrzehnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und doch stellt sich bei genauerer Betrachtung eine einfache, aber entscheidende Frage: Wenn es der deutschen Wirtschaft wirklich so dramatisch schlecht geht, warum sehen wir das nicht in absoluten Zahlen. Warum bleibt der gro\u00dfe Knall aus, den klassische Wirtschaftskrisen sonst hinterlassen. Warum beobachten wir seit 2019 zwar Stagnation und leichte R\u00fcckg\u00e4nge, aber keinen massiven Einbruch, keinen abrupten Absturz, keinen systemischen Kollaps.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Diskrepanz zwischen \u00f6ffentlicher Erz\u00e4hlung und \u00f6konomischer Realit\u00e4t ist kein Zufall. Sie ist der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis dessen, was in Deutschland gerade tats\u00e4chlich passiert. Denn die Diagnose Rezession greift zu kurz. Sie beschreibt nicht, was wir erleben. Sie zeichnet Symptome ab, verfehlt aber den Kern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Daten hinter der \u00f6ffentlichen Debatte zeigen deutlich, warum die Erz\u00e4hlung eines wirtschaftlichen Einbruchs verk\u00fcrzt ist. Betrachtet man das reale Bruttoinlandsprodukt, ergibt sich seit 2019 kein Bild eines Crashs, sondern eines nahezu durchg\u00e4ngigen Seitw\u00e4rtstrends. Nach einem realen Wachstum von\u00a0+1,0 % im Jahr 2019\u00a0folgte 2020 der pandemiebedingte Einbruch von\u00a0\u20134,1 %, der jedoch bereits 2021 mit\u00a0+3,7 %\u00a0weitgehend aufgeholt wurde. 2022 wuchs die Wirtschaft real um\u00a0+1,4 %, 2023 folgte ein leichter R\u00fcckgang von\u00a0\u20130,3 %, 2024 nochmals\u00a0\u20130,2 %. F\u00fcr 2025 zeigen die verf\u00fcgbaren Daten bislang eine reale Ver\u00e4nderung um die Nulllinie, mit einem\u00a0YoY-Wert von +0,3 % im dritten Quartal. In Summe bedeutet das keine Rezession im klassischen Sinn, sondern eine mehrj\u00e4hrige\u00a0Stagnation auf hohem Niveau.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine strukturelle Verschiebung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche Wirtschaft befindet sich nicht in einer klassischen Rezession. Es gibt keinen fl\u00e4chendeckenden Nachfrageeinbruch, keine explodierende Arbeitslosigkeit, keine kollabierenden Staatsfinanzen. Was wir stattdessen beobachten, ist eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaftsstruktur. Ein Umbau, der sich nicht in einer einfachen Auf oder Abbewegung ausdr\u00fcckt, sondern in gegenl\u00e4ufigen Dynamiken innerhalb desselben Systems.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend einzelne Sektoren real und sichtbar schrumpfen, wachsen andere gleichzeitig deutlich. Diese Bewegungen heben sich in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung teilweise auf. Das Ergebnis ist eine Stagnation oder leichte Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts, aber kein dramatischer Einbruch. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die klassischen Erz\u00e4hlungen eines wirtschaftlichen Abschwungs, die teilweise noch aus negativen Erlebnissen der Vergangenheit gepr\u00e4gt sind, haben nicht mehr Bestand. Nicht nur aus dem Grund, da sie vor allem auf Ideen und Beispielen aufstrebender \u00d6konomien basieren und noch in keiner ges\u00e4ttigten Wohlstandsgesellschaft zu tragen gekommen sind, sondern auch da sie nicht disruptiv einsetzen, sondern zeitlich verz\u00f6gert und reaktiv, sodass wir dagegen steuern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Stabilit\u00e4t ist jedoch das Ergebnis starker Gegenbewegungen innerhalb der Wirtschaftsstruktur. Die\u00a0gesamte reale Bruttowertsch\u00f6pfung\u00a0lag 2021 bei\u00a0+3,8 %, 2022 bei\u00a0+1,7 %, 2023 noch bei\u00a0+0,3 %, fiel 2024 aber leicht auf\u00a0\u20130,4 %. Unter dieser Aggregation verbergen sich massive Unterschiede zwischen den Sektoren. Das\u00a0verarbeitende Gewerbewuchs 2021 noch um\u00a0+8,7 %, stagnierte 2022 mit\u00a0+0,6 %, lag 2023 bei\u00a0+0,9 %\u00a0und brach 2024 real um\u00a0\u20133,0 %\u00a0ein. Der\u00a0Bausektor\u00a0befindet sich sogar seit Jahren in einem strukturellen Abschwung, mit\u00a0\u20133,6 % im Jahr 2021,\u00a0\u201311,3 % im Jahr 2022,\u00a0\u20130,4 % 2023\u00a0und\u00a0\u20133,8 % 2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demgegen\u00fcber stabilisieren Dienstleistungen die Gesamtwirtschaft. Der\u00a0Dienstleistungssektor\u00a0wuchs 2024 real um\u00a0+0,8 %\u00a0und kompensiert damit einen Teil der industriellen Verluste. Besonders deutlich zeigt sich der Umbau im Bereich\u00a0Information und Kommunikation, der 2021 real um\u00a0+8,6 %, 2022 um\u00a0+0,5 %, 2023 um\u00a0+3,7 %\u00a0und 2024 um\u00a0+2,5 %wuchs. Diese Sektoren sind nicht gro\u00df genug, um die Industrie vollst\u00e4ndig zu ersetzen, aber ausreichend stark, um einen gesamtwirtschaftlichen Absturz zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der industrielle Einbruch ist real, aber nicht die ganze Geschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re falsch, die Lage der Industrie zu besch\u00f6nigen. Der Einbruch im produzierenden Gewerbe ist real, messbar und f\u00fcr viele Unternehmen existenziell. Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, regulatorische Anforderungen, Investitionszur\u00fcckhaltung und technologische Umbr\u00fcche treffen klassische industrielle Wertsch\u00f6pfung mit voller Wucht. Das sieht man vor allem an der Anzahl an Insolvenzen von kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen \u00fcberall in Deutschland. An einem R\u00fcckgang der industriellen Arbeitspl\u00e4tze, sowie generellen Einstellungsstops in der Industrie. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Automobilindustrie, Chemie, Grundstoffe, Maschinenbau. All diese Bereiche liegen real unter dem Niveau von 2019. Produktionsvolumina sinken stark, Besch\u00e4ftigung ger\u00e4t unter Druck, Wertsch\u00f6pfungsketten werden neu organisiert oder verlagert. F\u00fcr Regionen, Belegschaften und Zulieferer ist das keine abstrakte Transformation, sondern konkrete Realit\u00e4t, die vergleichbar ist mit einer oft zitierten Deindustrialisierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch genau hier beginnt der Denkfehler vieler \u00f6ffentlicher Debatten. Industrie ist nicht mehr gleichzusetzen mit Wirtschaft. Sie ist ein zentraler Teil, aber nicht mehr der alleinige Tr\u00e4ger der Wertsch\u00f6pfung. Wer den industriellen R\u00fcckgang eins zu eins mit wirtschaftlichem Niedergang gleichsetzt, blendet aus, was parallel entsteht. Denn insbesondere in Deutschland haben wir gro\u00dfen, bestehenden, best\u00e4ndigen und stattfindenden Nachholbedarf moderner Wirtschaftszweige in unser \u00d6kosystem zu integrieren. Noch besteht in unserer Wirtschaftskette ein gesunder und im europ\u00e4ischen Vergleich starker produzierender Anteil, doch dieser muss und wird weiter zum Gunsten neuer Wirtschaftszweige schrumpfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein kritischer Befund liegt bei den Investitionen. Die\u00a0realen Bruttoanlageinvestitionen\u00a0entwickelten sich 2021 mit\u00a0+0,6 %\u00a0noch leicht positiv, sanken 2022 um\u00a0\u20130,2 %, 2023 um\u00a0\u20131,2 %\u00a0und 2024 deutlich um\u00a0\u20132,8 %. Besonders relevant sind die\u00a0Ausr\u00fcstungsinvestitionen\u00a0in Maschinen und Anlagen, die 2021 noch um\u00a0+3,5 %\u00a0und 2022 um\u00a0+4,5 %\u00a0wuchsen, 2023 leicht auf\u00a0\u20130,8 %\u00a0fielen und 2024 mit\u00a0\u20135,5 %\u00a0klar negativ waren. Das unterstreicht, dass der Umbau stattfindet, aber unter ged\u00e4mpften Bedingungen und mit begrenztem Produktivit\u00e4tsmomentum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Au\u00dfenhandel tr\u00e4gt zur industriellen Schw\u00e4che bei. Die\u00a0realen Exporte\u00a0stiegen 2021 um\u00a0+10,0 %, 2022 um\u00a0+3,1 %, gingen 2023 leicht um\u00a0\u20130,3 %\u00a0zur\u00fcck und lagen 2024 bei\u00a0\u20130,8 %. Gleichzeitig blieb der Arbeitsmarkt robust: 2024 waren\u00a046,1 Millionen Erwerbst\u00e4tige\u00a0besch\u00e4ftigt, ein historischer H\u00f6chststand. Dadurch wird die Krise in einzelnen Branchen scharf wahrgenommen, ohne dass die Gesamtbesch\u00e4ftigung kollabiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zum industriellen R\u00fcckgang wachsen andere Wirtschaftsbereiche deutlich. Wissensintensive Dienstleistungen, Software und IT, digitale Gesch\u00e4ftsmodelle, Gesundheitswirtschaft, technologiegetriebene Startups, unternehmensnahe Services, Engineering, Beratung, datenbasierte Produkte und Plattformen. Diese Sektoren sind weniger energieintensiv, weniger kapitalgebunden, schneller skalierbar und st\u00e4rker wissensgetrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie erzeugen hohe Wertsch\u00f6pfung pro Besch\u00e4ftigtem und reagieren flexibler auf globale Ver\u00e4nderungen. Sie sind internationaler, dynamischer und oft n\u00e4her an zuk\u00fcnftigen Wachstumsfeldern. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, dass sie die Industrie ersetzen, sondern dass sie einen Teil der Verluste kompensieren. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum das BIP deshalb nur stagniert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bruttoinlandsprodukt ist eine aggregierte Gr\u00f6\u00dfe. Es misst die Summe aller Wertsch\u00f6pfung, nicht deren Struktur, Qualit\u00e4t oder langfristige Tragf\u00e4higkeit. Wenn ein gro\u00dfer Sektor schrumpft und mehrere andere wachsen, kann das Ergebnis rechnerisch stabil bleiben, auch wenn sich die innere Logik der Wirtschaft massiv ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2019 sehen wir genau dieses Bild. Keine breite Nachfrageschw\u00e4che, keine Massenarbeitslosigkeit, keine kollabierenden Staatsfinanzen, keinen abrupten Produktivit\u00e4tsbruch. Stattdessen eine asymmetrische Anpassung. Industrie verliert. Neue Branchen gewinnen. Das BIP bleibt nahezu stehen. Das ist kein Zeichen von St\u00e4rke. Aber es ist auch kein Zeichen von Kollaps. Es ist ein \u00dcbergangszustand. Und \u00dcbergangszust\u00e4nde sind analytisch unbequem, weil sie sich nicht in Schlagzeilen pressen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Innovationsindikatoren st\u00fctzen das Bild eines Umbaus statt eines Kollapses. Die\u00a0F&amp;E-Quote\u00a0lag 2022 bei\u00a03,1 % des BIP. Das\u00a0Venture-Capital-Dealvolumen\u00a0zeigt eine hohe Zyklik mit\u00a019,1 Mrd. \u20ac im Jahr 2021,\u00a010,9 Mrd. \u20ac 2022\u00a0und\u00a07,1 Mrd. \u20ac 2023, w\u00e4hrend einzelne Quartale 2024 wieder h\u00f6here Volumina erreichten. Der makro\u00f6konomische Ausblick bleibt entsprechend verhalten: F\u00fcr\u00a02025\u00a0wird \u00fcberwiegend\u00a0Stagnation oder ein leichtes Wachstum von rund +0,2 %\u00a0erwartet, f\u00fcr\u00a02026\u00a0eine moderate Erholung um\u00a0+1,2 bis +1,3 %.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die richtige Diagnose lautet Umbau<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die angemessene Beschreibung dieser Phase ist daher nicht Rezession, nicht Einbruch, nicht Abschwung, sondern Umbau. Ein Umbau ist kein ger\u00e4uschloser Prozess. Er ist mit Verlusten verbunden, mit Br\u00fcchen, mit Unsicherheit. Aber er ist etwas grundlegend anderes als ein Zusammenbruch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Transformationskosten scheinen zumindest bislang vergleichsweise gering zu sein. Die deutsche Wirtschaft verliert real an industrieller Substanz, aber sie schafft es bislang, diese Verluste durch neue Wertsch\u00f6pfung zu d\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Beobachtung ist wichtig, weil sie zeigt, dass der notwendige Umbau hin zu moderneren, wissensintensiveren Wirtschaftsstrukturen bislang besser funktioniert als h\u00e4ufig behauptet wird und wir im Gesamten handlungsf\u00e4hig bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch diese Bewegung ist kein Selbstl\u00e4ufer. Sie ist eine Wette. Und diese Wette ist an Bedingungen gekn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zwei zentrale Bedingungen f\u00fcr den Erfolg dieser Wette<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens m\u00fcssen neue Branchen echte Wertsch\u00f6pfung liefern. Startups, Zukunftsbranchen und technologiegetriebene Gesch\u00e4ftsmodelle m\u00fcssen profitabel, produktiv und nachhaltig werden. Es reicht nicht, Wachstum \u00fcber Kapitalzufl\u00fcsse zu simulieren. Bewertungsblasen aufzubauen oder Innovationsnarrative zu erz\u00e4hlen reicht nicht, um strukturelle Umbauten zu finanzieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese neuen Wirtschaftszweige m\u00fcssen Gewinne erzielen, Arbeitspl\u00e4tze schaffen, Steuern zahlen und langfristig bestehen. Nur dann k\u00f6nnen sie zu neuen tragenden S\u00e4ulen der Volkswirtschaft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens darf die Deindustrialisierung nicht ungebremst laufen. Die Schrumpfung der Industrie muss begrenzt und gesteuert werden. Nicht, um den Status quo zu konservieren, sondern um Zeit, Stabilit\u00e4t und Transformationspotenzial zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die industrielle Basis Deutschlands war nie nur Produktionsst\u00e4tte. Sie war Ausbildungsort, Wissensspeicher, Datenquelle, Innovationsplattform und Systemintegrator. Ein zu schneller Verlust dieser Basis w\u00fcrde genau jene Transformation untergraben, auf die wir setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade im Kontext von Digitalisierung und K\u00fcnstlicher Intelligenz ist die Industrie kein Auslaufmodell, sondern ein strategischer Schatz. Die Kombination aus realen Produktionsprozessen, komplexen Systemen, hochwertigen Daten und tiefem Dom\u00e4nenwissen ist ein Goldlager f\u00fcr zuk\u00fcnftige Anwendungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zukunft Deutschlands liegt nicht im Ersatz der Industrie durch Technologie, sondern in ihrer intelligenten Kopplung. Ein kleinerer, effizienterer, digital integrierter industrieller Kern, der mit Software, Daten, Services und neuen Gesch\u00e4ftsmodellen verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist anspruchsvoll. Aber es ist genau das, worin Deutschland historisch stark war. Komplexe Systeme bauen, beherrschen und weiterentwickeln. Diese F\u00e4higkeit muss neu \u00fcbersetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kein Abschwung, sondern eine gestaltbare Wette<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir die aktuelle Lage aus dieser Perspektive betrachten, l\u00e4sst sich festhalten: Wir befinden uns nicht in einem klassischen Abschwung, sondern inmitten einer funktionierenden Transformation. Innovation und Umbau laufen an. Verluste werden abgefedert. Neue Strukturen entstehen. Aber diese Wette gewinnt sich nicht von selbst. Sie erfordert Investitionen, Geduld, kluge Industriepolitik, Mut zur Ver\u00e4nderung und Vertrauen in die eigenen St\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zentraler Schl\u00fcssel wird sein, den vorhandenen Schwung jetzt konsequent aufzunehmen und in die Breite der Wirtschaft hineinzutragen, um den laufenden Strukturwandel aktiv zu gestalten, selbst unter zunehmend ung\u00fcnstigen Rahmenbedingungen. Entscheidend ist dabei die Bereitschaft, weiterhin zu investieren, gezielt in zukunftsf\u00e4hige Prozesse, Technologien und Wertsch\u00f6pfungslogiken, die langfristig neues Wachstum erm\u00f6glichen und den Aufschwung erneut befeuern k\u00f6nnen. Parallel dazu muss die Innovationskraft systematisch gesichert und gest\u00e4rkt werden, w\u00e4hrend bereits entstandene, marktf\u00e4hige Akteure konsequent in das deutsche Wirtschafts\u00f6kosystem integriert werden, anstatt sie durch regulatorische H\u00fcrden oder fehlende Skalierungsperspektiven auszubremsen. Zugleich bleibt die industrielle Basis von zentraler Bedeutung: Sie tr\u00e4gt den \u00fcber Jahrzehnte aufgebauten Wissensschatz, stellt die infrastrukturelle Grundlage dar und bildet den Hebel, \u00fcber den Innovationen im letzten Schritt der Transformation tats\u00e4chlich wirksam werden. Ziel darf dabei nicht blo\u00dfe Bewahrung sein, sondern ein realer Zuwachs an wirtschaftlicher Leistungsf\u00e4higkeit. Voraussetzung hierf\u00fcr ist jedoch die Schaffung passender Umgebungsbedingungen, insbesondere durch den Abbau b\u00fcrokratischer Bremsen, die Bereitstellung von schnell verf\u00fcgbarem Kapital und dessen gezielte, sektorenspezifische Allokation in produktive, zukunftsrelevante Bereiche der Wirtschaft, nicht in kurzfristigen Konsum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland wurde nicht stark durch schnelle Trends, sondern durch Qualit\u00e4t, Tiefe und Probleml\u00f6sungskompetenz. Genau diese Werte sind auch heute der Hebel, nur in einem neuen Kontext. Wenn wir es schaffen, den Umbau weiter zu bef\u00e4higen, neue Branchen zu verankern und gleichzeitig einen gesunden industriellen Kern zu erhalten, dann kann diese Transformation gelingen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wirtschaftliche Situation in Deutschland wird oft als Rezession betrachtet, doch sie zeigt eher eine Stagnation auf hohem Niveau mit transformativen Ver\u00e4nderungen. Trotz industrieller R\u00fcckg\u00e4nge wachsen neue Wirtschaftsbereiche, die die Verluste abfedern. Der Umbau erfordert Investitionen, Innovationsf\u00f6rderung und eine Balance zwischen neuen und bestehenden Industrien, um die Stabilit\u00e4t zu sichern.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1030,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[12,11],"tags":[],"class_list":["post-1025","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alles","category-wissen"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/rumition.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Bildschirmfoto-2026-01-05-um-21.37.46-scaled.png","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1025","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1025"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1025\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1029,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1025\/revisions\/1029"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1030"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1025"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1025"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1025"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}