{"id":354,"date":"2022-03-10T18:58:24","date_gmt":"2022-03-10T18:58:24","guid":{"rendered":"https:\/\/rumition.de\/?p=354"},"modified":"2023-04-04T15:26:23","modified_gmt":"2023-04-04T15:26:23","slug":"gesund-wohlhabend-studiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/2022\/03\/10\/gesund-wohlhabend-studiert\/","title":{"rendered":"Gesund, wohlhabend, studiert."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Durch die Lockerung der Coronama\u00dfnahmen kehrt auch wieder Leben in deutsche H\u00f6rs\u00e4le ein. Nach fast zwei Jahren perspektivlosem online Unterricht freuen sich die Studenten wieder zur\u00fcck am Campus zu sein. Einem geregelten Tagesablauf zu folgen, Kommilitonen und Professoren zu treffen. Mit Beginn der Coronapandemie wurden in allen Bundesl\u00e4ndern weitreichende Kontaktbeschr\u00e4nkungen zur Eind\u00e4mmung des Infektionsgeschehens beschlossen. Die Hochschulen standen vor der Mammutaufgabe, ihre Lehre vom Faxger\u00e4t in das sogenannte Internet zu \u00fcbertragen. Kurz gesagt, auf digitale Formate ausweichen. Die Bedingungen haben sich dabei f\u00fcr Studierende massiv ver\u00e4ndert. Und w\u00e4hrend Branchen wie die Gastronomie ein regelrechtes \u00d6ffnungs-Auf und -Ab durchlebten, stagnierte die Lage der Universit\u00e4ten \u00fcber die Jahre hinweg.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:25px;font-style:normal;font-weight:700\">Spirit Universit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Jeder, der schon einmal an einer Uni unterrichtet wurde oder gearbeitet hat wei\u00df, dass diese vor allem auf Anwesenheit basiert. Eine besondere Aura, die Lehreinrichtungen umgibt, sorgt f\u00fcr Identifikation, aber auch Spa\u00df beim Lernen und Lehren. Unis sind Innovationsstandorte der Wirtschaft und der Gesellschaft. Corona war ein wichtiger Ansto\u00df f\u00fcr eine schnelle unb\u00fcrokratische digitale Ver\u00e4nderungen im institutionalisiertem Lehrbetrieb. Wichtig ist es aber, digitalen Unterricht nicht aus den Augen zu verlieren und angesichts der Pr\u00e4senzlehre r\u00fcckschrittlich zu agieren. Um international kompetitiv mithalten zu k\u00f6nnen, muss auch Deutschland in der Zukunft die Lehre ins Digitalwesen transformieren. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Pr\u00e4senz, einerseits. Kontr\u00e4r f\u00fcr Digitalisierung. Wie gehts das zusammen? Das Zauberwort lautet Hybrid. Neben dem Ausbau der digitalen Lehre m\u00fcssen wir zur\u00fcckkehren zur Pr\u00e4senzlehre und m\u00f6glichst beide gleichzeitig und ausgewogen kombinieren. Warum?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\" style=\"font-size:25px;font-style:normal;font-weight:700\"><blockquote><p> Kurz gesagt, der heutige erfolgreiche Student ist gesund, wohlhabend, studiert.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Ein strukturelles Problem akademischer Ausbildungen in Deutschland existiert nicht erst seit der Pandemie. Es handelt sich nicht um die Qualit\u00e4t der Lehre, nicht um Standorte, Numerus Clausus und Angebot. Das Schl\u00fcsselwort ist soziale Teilhabe. Die M\u00f6glichkeit aus einem sozial schwachen Background zu studieren ist gering. Eine akademische Ausbildung h\u00e4ngt stark mit sozio\u00f6konomischen Status zusammen. Ein horizontaler Aufstieg ist schwer und selten. Das zeigt sich nicht erst bei Studierenden, sondern bereits bei Jugendlichen im h\u00f6heren Bildungsweg. So haben Abiturienten aus Arbeiterfamilien oft schlechtere Abschl\u00fcsse oder gehen erst gar nicht auf das Gymnasium. Unter Akademikerkindern besuchen 74% ein Studium, 15% brechen ab. Unter nicht Akademikern sind es 21% Studierende, rund 33% brechen ab. So ungerecht kann Bildungsgerechtigkeit sein. Und selbst wenn man es bis zum Abitur schafft, ist ein Studium teuer. Oftmals ist ein Auszug aus dem Elternhaus zu finanzieren, ein Hausstand, ein Leben in der Stadt. Dort wo die Preise am h\u00f6chsten sind, der D\u00f6ner 5\u20ac kostet. Baf\u00f6g sorgt dabei nicht ansatzweise f\u00fcr die Deckung der Lebensunterhaltungskosten. Verpflichtender Unterhalt will und kann oftmals nicht eingefordert werden. Der erste und oder zweite Studentenjob sorgt dann f\u00fcr eine Existenzgrundlage, aber auch f\u00fcr Stress, Belastung, Krankheit. W\u00e4hrend der Coronapandemie hat sich diese Lage weiter verschlechtert. Die Finanzierung des Lebensunterhalts wurde immens erschwert. So haben Studierende im Zuge ihre Erwerbst\u00e4tigkeit verloren. Studienabbruchessintentionen stiegen mit schlechterem Bildungshintergrund, Migrationshintergrund, k\u00f6rperlichen und psychischen Beeintr\u00e4chtigungen, sowie Elternschaft. Kurz gesagt, der heutige erfolgreiche Student ist gesund, wohlhabend, studiert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:25px;font-style:normal;font-weight:700\">Neuer Raum f\u00fcr L\u00f6sungen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Wo k\u00f6nnen wir ansetzen? Einerseits k\u00f6nnen staatliche Ausgaben steigen. Das Baf\u00f6g kann angehoben werden, sozial schwache beim Studieren unterst\u00fctzt werden. Bestimmt ein St\u00fcck vom Kuchen, der einerseits Mehrausgaben, andererseits Krisensicherheit ben\u00f6tigt. Weiter m\u00fcssen wir h\u00e4rter und effektiver f\u00fcr soziale Bildungsgerechtigkeit in der fr\u00fchen Kindheit einstehen. Aber wir k\u00f6nnen auch Instrumente entwerfen, die ein Studium f\u00fcr alle zug\u00e4nglicher machen. Durch M\u00f6glichkeiten, Vorlesungen am Abend online zu wiederholen, nicht direkt in der Stadt leben zu m\u00fcssen. So r\u00e4umt man denjenigen mehr Flexibilit\u00e4t ein, die es ben\u00f6tigen. Gleichzeitig schafft man L\u00f6sungen, Probleme wie Studenten in \u00fcberbelegten H\u00f6rs\u00e4len, intelligenter zu verteilen. Mit einem schlechteren Abitur an einer Uni ohne Numerus Clausus seinen Wunsch Studiengang zu studieren, nicht zwingend seinen Wohnort zu wechseln. Bei Frontalvorlesungen, die jedes Semester \u00e4hnlich stupide abgehalten werden, zeitliche R\u00e4ume f\u00fcr wichtigere Aufgaben von Professoren einzur\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Insbesondere Vorreiter wie Schweden und Norwegen zeigen, wie es funktionieren k\u00f6nnte. Digital, individuell, qualitativ zu unterrichten. Wir m\u00fcssen nun die Chance der schnellen Ver\u00e4nderung nutzen und beide Bereiche, sowohl die digitale Lehre, als auch die Pr\u00e4senzlehre weiterentwickeln. Intelligente L\u00f6sungen finden, Kompetenzen m\u00f6glichst effizient einzusetzen, ein Studium gerecht zug\u00e4nglich zu machen und damit auch akademische Forschung in ein digitales Zeitalter bewegen.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die Lockerung der Coronama\u00dfnahmen kehrt auch wieder Leben in deutsche H\u00f6rs\u00e4le ein. 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