{"id":481,"date":"2022-11-21T10:41:00","date_gmt":"2022-11-21T10:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rumition.de\/?p=481"},"modified":"2023-04-04T15:48:33","modified_gmt":"2023-04-04T15:48:33","slug":"zum-nachmittagstee-auf-einen-joint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/2022\/11\/21\/zum-nachmittagstee-auf-einen-joint\/","title":{"rendered":"Zum Nachmittagstee auf einen Joint"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Dieser Tage wird viel \u00fcber die Legalisierung von Cannabis debattiert. Die FDP und die Gr\u00fcnen machen das Thema zu ihren politischen Kronjuwelen, w\u00e4hrend im Gesundheitssystem sehr viel dringendere Reformen anstehen w\u00fcrden. Ganz abgesehen von einem ung\u00fcnstig gew\u00e4hltem Zeitpunkt, verk\u00f6rpern die Politiker teils irrwitzige Argumente. Das liegt daran, dass die europ\u00e4ische Gesetzeslage eine Legalisierung gar nicht erst erlauben w\u00fcrde. Eine Entkriminalisierung aber keine Verbesserung des Systems bedeutet. Sodann verrennen sich die Gesetzgeber in ihrer eigenen Zwickm\u00fchle. Sie m\u00fcssen Gesetzesentw\u00fcrfe medial als Pr\u00e4vention verkaufen und verstricken sich in irrationalen Argumenten. Das wird der eigentlich zwingend zu f\u00fchrenden Diskussion nicht gerecht, die im \u00f6ffentlichen Raum n\u00f6tig w\u00e4re. Denn das Thema ist im Kern hochkomplex.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Die emotional behaftete Debatte, insbesondere bei den stark auftretenden Generationen der 60er, 70er und 80er Jahre, gepr\u00e4gt durch \u201eWir Kinder vom Bahnhof Zoo\u201c und regelrechten Drogendramen in Frankfurt, Berlin und M\u00fcnchen, wird traditionell konservativ pr\u00e4sentiert. Gleichzeitig verzeichnen breite Teile der Gesellschaft eine hohe Drogenakzeptanz, weiter ein Drogenkonsumproblem sowie ein salopper Umgang bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Kapazit\u00e4tsprobleme in der Bek\u00e4mpfung der Drogenkriminalit\u00e4t f\u00fchren zu einer florierenden Schattenwirtschaft. Die offene Frage, wie sch\u00e4dlich ist (illegales) Kiffen f\u00fcr Kinder, Jugendliche, Erwachsene und die Gesellschaft kommt nicht ausreichend zur Geltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Vorneweg m\u00f6chte ich meine pers\u00f6nliche Einstellung verdeutlichen. Generell spreche ich mich f\u00fcr eine Legalisierung von Marihuana aus, wenn dies unter den richtigen Rahmenbedingungen geschieht. Meine Meinung st\u00fctze ich dabei auf logische Argumentationen, auch sodann diese selbstverst\u00e4ndlich niemals allumfassende G\u00fcltigkeit besitzen. So k\u00f6nnen sich gesellschaftliche und auch wissenschaftliche Erkenntnisse im Flux ver\u00e4ndern. Als im Jahr zweitausend geborener Millennial waren in meiner Jugend Drogen omnipr\u00e4sent. Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Diese sehr bilaterale Beziehung erm\u00f6glicht mir sowohl meine aktuellen Ansichten anzunehmen, als auch ein \u00e4u\u00dferst differenzierten, aber nie objektiven Blickwinkel. Ich lade Sie in diesem Artikel zum gemeinsamen Denken ein. Scheuen Sie sich nicht, ihre eigene Meinung zuzulassen, sich gegen meine Ansichten zu wehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\"><strong>Drogen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Thema Cannabis, so m\u00fcssen wir uns unweigerlich mit Drogen auseinandersetzen. Denn auch wenn es einige Szene vernarrte Bef\u00fcrworter nicht akzeptieren wollen, Cannabis ist nichts anderes als das. Eine Substanz, die auf das Erleben und Verhalten des Menschen wirkt. Im Fundus nicht anders als Nikotin, Alkohol oder Ecstasy. Sprechen wir \u00fcber diese Drogen, so m\u00fcssen wir immer unterschiedliche Blickwinkel einnehmen. Die Rolle in der Gesellschaft, die Rolle f\u00fcr den K\u00f6rper und f\u00fcr den Geist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Ich m\u00f6chte hier nicht weiter auf die genaue Wirkungsweise eingehen, dennoch eine kurze Definition liefern. Drogen sind eigentlich Rauschgifte, das Wort Droge ist ein ehemals umgangssprachlicher Begriff f\u00fcr Heil und Anregungsmittel. Genauer gesagt bewirken sie eine seelische und, oder k\u00f6rperliche Ver\u00e4nderung im Menschen. Im Volksmund vor allem gemeint sind sogenannte psychotrope Substanzen. Also Stoffe, die die genannten Eigenschaften besitzen. Dazu z\u00e4hlen viele verschiedenen Substanzen wie Alkohol, Nikotin, Kokain, Cannabis oder Koffein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\"><strong>Drogen in der Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Das Konsumieren von psychoaktiven Substanzen ist wahrscheinlich so alt wie wir selber. Die Menschheit konsumiert Drogen schon seit Anbeginn. So fand man R\u00fcckst\u00e4nde von Cannabis in Pfeifen der amerikanischen Ureinwohner, die Medizin verschrieb unter anderem Kokain und Heroin, Freud war dauerhaft drauf, Shakespeare kiffte und Hitler pumpte seine Front mit Ecstasy zu. Viele Errungenschaften, aber auch Grausamkeiten und Tode w\u00e4ren wohl ohne Drogen niemals entstanden. Auch Primaten lassen Fr\u00fcchte gezielt reifen, um in den Genuss von einem Rausch zu kommen. In einer Studie fand man heraus, dass K\u00fche diejenigen Gr\u00e4ser auf einer Wiese bevorzugen, die sedativ wirken. Insofern ist der Hang zum Rausch keine Eigenschaft einer hoch entwickelten Spezies, ganz im Gegenteil. Man k\u00f6nnte gar behaupten, dass sie recht primitiv sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">\u00dcber die letzten Jahrzehnte hinweg nahm das Thema unterschiedliche Standpunkte innerhalb der Gesellschaft ein. In den 20er-Jahren herrschte die Hochzeit des Kokains und des Ecstasys. W\u00e4hrend im Zuge der Flower-Power Bewegung in den 50er und 60er-Jahren LSD nahezu verherrlicht wurde. Bis zum gro\u00dfen Aufschrei Ende der 70er-Jahre durch die Pflichtlekt\u00fcre:&#8220;Wir Kinder vom Bahnhof Zoo&#8220;, Heroin und die verheerenden Folgen. In den Neunzigern brachte die Techno-Szene wieder alle m\u00f6glichen Drogen in die Bundesrepublik, jenseits der 2000er werden vor allem im Rap Arzneimittel wie Benzodiazepine verherrlicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\"><strong>Drogen und das Verbot<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Neben der anziehenden Wirkung waren Drogen auch immer negativ, absto\u00dfend behaftet. Sprich, wir hegen seit jeher vermutlich eine ambivalente Beziehung zu psychoaktiven Substanzen. Bereits Steinzeitmenschen setzten auf die Wirkung psychoaktiver Pilze, das belegen zumindest H\u00f6hlenzeichnungen. Es ist wohl wenig nachvollziehbar, inwieweit unserer Vorfahren Neugier, Angst oder Ehrfurcht empfanden. Aber zumindest in den ersten B\u00fcchern dieser Welt, heiligen Schriften, lesen wir immer wieder Verweise auf die Missachtung von Drogen. Ein ausdr\u00fcckliches Verbot findet sich im westlich gepr\u00e4gten Christentum allerdings nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">So kann man davon ausgehen, dass immer vor dem Verfall durch Drogen, den Risiken gewarnt worden ist, aber keine ausdr\u00fcckliche Prohibition stattfand. Das deckt sich mit dem Verhalten und den Leitlinien in der nachfolgenden Gesellschaft. So waren psychotrope Substanzen immer ein Teil von ihr, bis Anfang des 20. Jahrhunderts.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">In weiten Teilen Amerikas und Europas wurden unterschiedlichste Substanzen verboten. Opiate, Marihuana oder auch Alkohol. Einerseits zum Schutz der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung, dem friedlichen Zusammenleben in der Gesellschaft, aber auch der Arbeitsf\u00e4higkeit. So k\u00f6nnte man der Beschr\u00e4nkung eine funktionelle und marktwirtschaftliche Intention zuschreiben. Denn ein benebeltes Volk kann nicht die gew\u00fcnschte Effektivit\u00e4t an den Tag legen, gesundheitliche Risiken belasten das System unn\u00f6tig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Insbesondere das Verbot von Cannabis, das erst einige Jahrzehnte sp\u00e4ter in die meisten Dekrete aufgenommen worden ist, unterliegt einem marktwirtschaftlichen Interesse. Man geht davon aus, dass die Gesetzte durch das zu tun einiger Gro\u00dfindustrieller veranlasst worden sind. Zum einen, da Hanf als Webstoff drohte, synthetische Stoffe abzul\u00f6sen, zum anderen, da die Substanz in den Verruf kam, besonders tr\u00e4ge zu machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\"><strong>Cannabis und die Schattenwirtschaft&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Cannabis ist aktuell die meist konsumierte illegale Droge. So gibt jeder vierte junge Erwachsene an, schon einmal Marihuana konsumiert zu haben. Mit diesem Konsum gehen auch Gesetzesbr\u00fcche einher. So ist die Abgabe und der Besitz strafbar. Die Aufnahme allerdings nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Im Jahr 2020 wurden ca. 220.400 Delikte im Zusammenhang mit Cannabis gez\u00e4hlt. Der prozentual gr\u00f6\u00dfere Teil geht auf Delikte im Zusammenhang mit Eigenbedarf einher. Nur ein Bruchteil der Strafverfolgung f\u00e4llt auf die organisierte Drogenkriminalit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Experten sch\u00e4tzen die Schattenwirtschaft im Zusammenhang mit Cannabis auf mehrere Milliarden Euro. Oftmals stecken illegale Organisationen hinter dem Verkauf von Drogen, was selbstredend zu weiteren gesellschaftlichen Brennpunkten f\u00fchrt. Da die Polizei aber in der Drogenbek\u00e4mpfung vor allem mit der Abarbeitung von Bagatellen besch\u00e4ftigt ist, bleibt eine effiziente Verfolgung der Schattenwirtschaft aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Weiter entgeht dem Staat ein riesiger Markt, der genauso wie andere Rauschmittel hoch besteuert werden k\u00f6nnte. Ideal sollte das Geld zweckgebunden verwendet werden, in Pr\u00e4vention, Suchtberatung und weitere dringend notwendige Ma\u00dfnahmen flie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\"><strong>Cannabis und der Zugang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Mit einer Legalisierung vereinfacht man den Zugang zu der Substanz. Dennoch muss man feststellen, dass kaum eine Droge so einfach zug\u00e4nglich ist. Sei es auf dem Schulhof oder im Stadtpark, auf dem Dorfplatz oder im Club. Durch kontrollierte Abgaben k\u00f6nnte man eine genauere Kontrolle dar\u00fcber erhalten, was, wie viel, an wen und wo ausgegeben wird. Durch eine Entkriminalisierung einen wichtigen Reiz der Substanz nehmen. Vermutungen legen nahe, dass eine Legalisierung eher zu einem R\u00fcckgang des Konsums f\u00fchren w\u00fcrde. So zeigen zumindest Beobachtungen aus Amerika, dass nach einem ersten Hype das Gesch\u00e4ft mit Cannabis nie gut angelaufen ist. Vor allem nicht zu ausschlaggebend mehr Konsum gef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Weiter k\u00f6nnte eine Legalisierung zugleich den Zugang zu einer ausreichenden Menge ben\u00f6tigten Wirkstoff als medizinisches Produkt erm\u00f6glichen. So ist die Verschreibung von THC bei zum Beispiel chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose oder Rheuma eine wirksame Therapiem\u00f6glichkeit. Jedoch ist die Verf\u00fcgbarkeit der Wirkstoffe in den Apotheken oft nicht ausreichend gedeckt, zudem st\u00f6\u00dft der Konsum auf Probleme in der Gesellschaft und im Leben. Wie z.&nbsp;B. beim Konsum im \u00f6ffentlichen Raum, oder der illegalen Benutzung eines PKW nach Ende der Wirkzeit, da noch R\u00fcckst\u00e4nde im Urin nachzuweisen sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\"><strong>Cannabis und die Folgen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Selbstverst\u00e4ndlich hat Cannabis, wie alle anderen Substanzen auch, Folgen. K\u00f6rperlich sind diese recht einfach abzustecken. So beschr\u00e4nken sich die Langzeitauswirkungen auf die Konsumart. Da Marihuana meist oral inhaliert wird, sind die Risiken \u00e4hnlich zu einem dauerhaften Tabakkonsum zu betrachten. Sprich eine geringere Lungenfunktion und ein gr\u00f6\u00dferes Risiko f\u00fcr Lungenkrebs. Je nach H\u00e4ufigkeit und Weise des Konsums, mit oder ohne Tabak, mit oder ohne Filter, ver\u00e4ndern sich die Risiken etwas, aber unerheblich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Bef\u00fcrworter nennen oft ein Argument des geringeren \u00dcbels. So sei Cannabis nur weniger schlimm als Alkoholkonsum. Auch wenn die Annahme hinsichtlich gesundheitlicher Sch\u00e4den wohl zutreffend ist, ist sie wenig zielf\u00fchrend. Nur weil es etwas legales gef\u00e4hrlicheres gibt, rechtfertigt das nicht weitere Sch\u00e4den zuzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">M\u00f6chte man die Auswirkungen f\u00fcr die Psyche und die Entwicklung beschreiben, so ist es komplizierter. Vergleichen wir das Abh\u00e4ngigkeitspotenzial zwischen Cannabis und anderen psychoaktiven Substanzen, ist dieses recht gering. So liegt Marihuana unter den Werten von Tabak oder Alkohol, wurde dennoch lange untersch\u00e4tzt. Schlie\u00dft man sowohl eine psychische, soziale und physische Komponente mit in die Definition ein, sind circa 10&nbsp;% der Konsumenten abh\u00e4ngig. Dazu muss man anmerken, dass die k\u00f6rperliche Abh\u00e4ngigkeit recht gering ist, hier spielt eine psychische Komponente eine sehr viel gr\u00f6\u00dfere Rolle.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Untersuchen wir die Auswirkungen auf die Psyche, so m\u00fcssen wir differenzieren. Ja, Cannabis f\u00fchrt zu erh\u00f6hten Fallzahlen an St\u00f6rungen. Vor allem der Schizophrenie und Depression. Allerdings ist die Studienlage zu d\u00fcnn, um einen kausalen Zusammenhang zu belegen. Aktuell geht man eher davon aus, dass die Substanz als Moderator wirkt. Also bei einer Pr\u00e4disposition f\u00fcr Schizophrenie die Ausl\u00f6sung bedingen kann, aber nicht per se zur St\u00f6rung f\u00fchrt. Dennoch ist das Risiko definitiv erh\u00f6ht. In Anbetracht der Lebenszeitpr\u00e4valenz dieser St\u00f6rungen aber wohl nur marginal. Besonders hervorzuheben ist eine sogenannte Gen-Umwelt-Interaktion. Kommen genetische Risikofaktoren, die mit einer psychiatrischen St\u00f6rung assoziiert sind, auf den Umweltfaktor der Genexposition, kann es im sp\u00e4teren Verlauf zu Funktionsst\u00f6rungen kommen. Ob und wann dies auftritt, ist allerdings nicht vorherzusagen, denn die gleichen Risikofaktoren k\u00f6nnen in verschiedenen Hirnzellen zu unterschiedlichen neurologischen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren. Die Exposition von Risikofaktoren sind bei genetischer Pr\u00e4disposition ein Lottospiel.&nbsp;Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass THC die epigenetische Landschaft ver\u00e4ndert. Sprich, die Cannabis Exposition kann durch die Komplexit\u00e4tsreduzierung von Neuronen die neuronalen Schaltkreise hemmen und somit die F\u00e4higkeit der Plastizit\u00e4t ver\u00e4ndert. So kann die Genexpression moduliert werden, ohne den genetischen Code ver\u00e4ndern zu m\u00fcssen. Vor allem bei Genen mit erh\u00f6hter THC-Empfindlichkeit zeigt dies besonders gro\u00dfe Wirkung. Viele davon sind mit psychiatrischen Erkrankungen assoziiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Die wohl gr\u00f6\u00dften Folgen hat Cannabis auf unser Denken und Handeln. So muss man hier zwischen der pr\u00e4natalen Exposition, dem Kindesalter, dem Jugendalter und dem sp\u00e4ten Erwachsenenalter unterscheiden.\u00a0Die Aufnahme von THC w\u00e4hrend der Schwangerschaft kann zu erheblichen Beeintr\u00e4chtigungen in der Entwicklung des Kindes f\u00fchren. Stressanf\u00e4lligkeit, \u00c4ngstlichkeit, Aggressivit\u00e4t, Hyperaktivit\u00e4t, Ver\u00e4nderungen der Herzratenvariabilit\u00e4t und Autismus stehen auf der Liste der m\u00f6glichen Folgen. Die THC Exposition in Uteru f\u00fchrt zudem zu einer erh\u00f6hten allgemeinen Reaktionsf\u00e4higkeit des limbischen Dopamin-Systems, was eine h\u00f6here Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Substanzabh\u00e4ngigkeit im sp\u00e4teren Leben bedingen kann.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Auch peri- oder postnatal wird durch die Muttermilch THC weitergegeben, denn Stillen verl\u00e4ngert den potenziellen Zeitraum der direkten \u00dcbertragung von Cannabinoiden auf den sich entwickelnden Nachwuchs in kritischen Phasen der Neuroentwicklung. So wird der Entwicklungsverlauf synaptischer Funktionen bei erwachsenen Nachkommen gest\u00f6rt. Beeinflusst werden vor allem kognitive Exekutivfunktionen sowie Funktionen zur Kontrolle und Selbstregulierung des Verhaltens. Das hat Einfl\u00fcsse auf das Verhalten im sp\u00e4teren Leben vor allem im emotionalen Kontext, aber auch im sozialbehavioralem Repertoire.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">In Anbetracht der Sch\u00e4den im Jugendalter lassen sich zudem verheerende Folgen belegen. Als eine kritische Phase der Neuroentwicklung sind mesolimbische Dopamin-Signalwege in ihrer h\u00f6chsten Expression und Aktivit\u00e4t, somit kann die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr eine Abh\u00e4ngigkeit bei Exposition von Cannabis deutlich erh\u00f6ht werden. In der Jugend, vor allem w\u00e4hrend, aber auch vor der Pubert\u00e4t f\u00fchrt der Konsum zudem zu der Beeintr\u00e4chtigung des Denkens. Es st\u00f6rt die Gehirnentwicklung, hier geht man von irreparablen Langzeitsch\u00e4den in Kompetenzen wie logisches Denken oder Probleml\u00f6sen aus. Vor allem die normalerweise effiziente Zuweisung von kognitiven Ressourcen wird gest\u00f6rt. Es kommt zu einer unterschiedlichen Leistung des pr\u00e4frontalen Kortex sowie unterschieden im Default Mode Network.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Nach Abschluss der Pubert\u00e4t, sprich in der Phase des Emerging Adulthood geht man weiter von einer Beeintr\u00e4chtigung des Denkens aus. Sch\u00e4den scheinen nicht simultan irreparabel zu sein, sondern k\u00f6nnen sich nach Beendigung des Konsums wieder teilweise zur\u00fcckentwickeln. Es gibt Verweise darauf, dass auch im fr\u00fchen Erwachsenenalter der Konsum zu Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren kann. Im sp\u00e4teren Erwachsenenalter scheint dieser aber risikoarm. So k\u00f6nnen zwar tempor\u00e4re Sch\u00e4den auftreten, diese rezidivieren jedoch nach Beendigung des Konsums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Generell muss man anmerken, dass sich die Mehrzahl der genannten Ergebnisse in einer \u00e4u\u00dferst d\u00fcnnen Studienlage befinden. So sind definitive Zusammenh\u00e4nge noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Die meisten Erkenntnisse basieren auf Tierversuchen, Experimenten mit Dauerkonsumenten und Beobachtungen, sie sind mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Es bedarf definitiv weiterer Forschung, weiter breiter, l\u00e4ngsschnittlicher Studien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\"><strong>Die Legalisierung, wenn ja, bitte richtig!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Bei der Frage, ob eine Legalisierung von Cannabis sinnvoll ist, gibt es kein klares Ja oder Nein. Viel mehr muss man zwischen dem Nutzen der Illegalisierung und dem Nutzen der Legalisierung abw\u00e4gen. F\u00fcr mich gewinnt an dieser Stelle die Legalisierung, denn dies k\u00f6nnte einige gesellschaftliche und politische Probleme l\u00f6sen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Zum einen k\u00f6nnen wir st\u00e4rker gegen die aus der Illegalisierung entstehende Schattenwirtschaft vorgehen. Zweitens haben wir Kontrolle, wie viel, in welcher St\u00e4rke und wo Cannabis abgegeben wird, aber auch konsumiert wird. Das hat zum einen den Vorteil, dass man den Konsum in nicht vertretbaren Umgebungen zuk\u00fcnftig h\u00e4rter ahnden kann, sprich in der N\u00e4he von Schulen oder Spielpl\u00e4tzen. Zweitens den THC Gehalt kontrollieren k\u00f6nnte. Vor allem bei neurologischen und psychischen Folgen geht man von einer hohen Abh\u00e4ngigkeit in Bezug auf Reinheit und St\u00e4rke der Substanz aus. Weiter schafft eine Legalisierung Geld und Platz f\u00fcr wichtige, dringend notwendige Ma\u00dfnahmen der Pr\u00e4vention, Aufkl\u00e4rung und Therapie. Man \u00f6ffnet die Schranken f\u00fcr einen problemlosen, gesellschaftlich akzeptierten medizinischen Gebrauch. Zudem gew\u00e4hrleistet man, dass Konsumenten nicht zwingend in die Kriminalit\u00e4t gedr\u00e4ngt werden.&nbsp;Und auch in der Forschung k\u00f6nnte eine Legalisierung den Zugang zu neuen Samplen erm\u00f6glichen sowie Forschungsgelder akkreditieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Nat\u00fcrlich bleiben auch negative Folgen, so k\u00f6nnen sich Kinder und Jugendliche weiterhin an der Schattenwirtschaft bet\u00e4tigen, aber das beschreibt nur den Status-Quo. Ganz davon abgesehen, dass der Konsum von einem gro\u00dfen Teil der Gesellschaft akzeptiert wird. So ist der gesellschaftliche Joint zum Nachmittagstee ebenfalls g\u00e4ngige Praxis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:25px\">Eine Legalisierung sollte dann erfolgen, wenn die Gewinne der Legalisierung die Sch\u00e4den der Illegalisierung \u00fcberschreiten. Insofern spreche ich mich f\u00fcr eine Legalisierung im Sinne des vorgelegten Gesetzesentwurfes aus, denn die getroffenen Ans\u00e4tze sind nicht verkehrt. Jedoch sollte dies nicht als Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahme, sondern als Risikoabsch\u00e4tzung erfolgen. So sollte die Legalisierung durch Forscher aus interdisziplin\u00e4ren Fachgebieten wie Psychologen, Mediziner und Soziologen begleitet und beobachtet werden. Weiter m\u00fcsst man eine erste Phase zeitlich beschr\u00e4nken und dar\u00fcber hinaus keine weitere Erlaubnis erteilen, sodass nach einer Evaluation folgenlos die Rei\u00dfleine gezogen werden kann.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage wird viel \u00fcber die Legalisierung von Cannabis debattiert. Die FDP und die Gr\u00fcnen machen das Thema zu ihren politischen Kronjuwelen, w\u00e4hrend im Gesundheitssystem sehr viel dringendere Reformen anstehen w\u00fcrden. Ganz abgesehen von einem ung\u00fcnstig gew\u00e4hltem Zeitpunkt, verk\u00f6rpern die Politiker teils irrwitzige Argumente. Das&nbsp;<a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/rumition.de\/index.php\/2022\/11\/21\/zum-nachmittagstee-auf-einen-joint\/\">&hellip;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":492,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[12,9],"tags":[],"class_list":["post-481","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alles","category-gesellschaft"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/rumition.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Mein-Post-Kopie-1-4.png","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=481"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":712,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481\/revisions\/712"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rumition.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}