448 Terawattstunden verbrauchen Rechenzentren 2025, Deutschland kommt im selben Zeitraum auf 495 Terawattstunden. Bis 2030 steigt der globale Bedarf auf 945 Terawattstunden, so viel wie Japan heute. Ob der Ausbau erneuerbarer Energien schnell genug wächst, um fossile Abhängigkeit, Wachstumsbremse und KI-Rückstand zu vermeiden, ist die offene Rechnung.
Globaler Stromverbrauch der Rechenzentren verdoppelt sich bis 2030
Der globale Stromverbrauch von Rechenzentren liegt bei 415 Terawattstunden, rund 1,5 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Bis 2030 dürfte er sich auf 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln, was dem gesamten heutigen Stromverbrauch Japans entspricht. Der KI-Wettlauf wird zunehmend in Terawattstunden gemessen, und die USA, China und die EU treten mit sehr unterschiedlichen Energievoraussetzungen an.
Für 2025 schätzen Analysten den Verbrauch bereits auf 448 Terawattstunden. Deutschland verbrauchte im selben Zeitraum insgesamt 495 Terawattstunden. Bis 2030 könnte der Anteil der Rechenzentren am globalen Stromverbrauch auf rund drei Prozent steigen. Rechenzentren verbrauchen damit fast so viel Strom wie Deutschland.
Europas KI-Strombedarf erreicht Polens Niveau und das Trilemma droht
Für Europa zeigt eine Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, dass die geplanten Rechenzentren bis 2030 voraussichtlich zwischen 98,5 und 168 Terawattstunden Strom verbrauchen werden, etwa so viel wie der gesamte Strombedarf Polens im Jahr 2024 und bis zu 5 Prozent des gesamten EU-Verbrauchs. Die Spanne ist groß, aber die Größenordnung lässt keinen Zweifel: Der Strombedarf der KI-Infrastruktur wird zu einer zentralen Größe der europäischen Wirtschaftspolitik.
Ohne Gegenmaßnahmen droht der EU ein Trilemma: Abhängigkeit von fossiler Energie, Einschränkungen beim Wirtschaftswachstum oder ein weiteres Zurückfallen im internationalen KI-Wettlauf. Die strategische Lücke zwischen KI-Ambitionen und Energieausbau ist der Engpass.
Prognosen reichen von 89 bis 115 Terawattstunden
Die Investmentbank JP Morgan erwartet einen zusätzlichen jährlichen Strombedarf europäischer Rechenzentren von 89 Terawattstunden bis 2030 gegenüber 2023, wobei Iberien und die nordischen Länder etwa 45 Prozent dieses Wachstums ausmachen. Das Wachstum konzentriert sich auf Regionen mit günstigem, oft erneuerbarem Strom, was die Standortkonkurrenz innerhalb Europas verschärft.
Die Europäische Kommission rechnet in ihren Prognosen damit, dass der Stromverbrauch der Rechenzentren in Europa von derzeit etwa 70 Terawattstunden auf rund 115 Terawattstunden bis 2030 steigen könnte. Diese Zahl liegt am unteren Rand der Kieler Spanne, aber auch sie bedeutet fast eine Verdoppelung.
Deutschland: 31 Terawattstunden bis 2030, 80 bis 2045
Für Deutschland kommt eine Studie des Borderstep-Instituts im Auftrag des Branchenverbands Bitkom zu dem Ergebnis, dass der jährliche Energiebedarf von Rechenzentren im Jahr 2030 zwischen 25 und 35 Terawattstunden betragen werde. Deutschland liegt damit am unteren Ende des europäischen Spektrums, aber der Anteil am nationalen Strommix wächst spürbar.
Ein Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums prognostiziert für 2030 voraussichtlich 31 Terawattstunden Strom für die in Deutschland betriebenen Rechenzentren. Ohne die Einführung des Energieeffizienzgesetzes wäre der Verbrauch um 2,5 Terawattstunden höher. Bis 2045 könnte er auf knapp 80 Terawattstunden ansteigen, etwa 6 Prozent des voraussichtlichen Bruttostromverbrauchs. Das Gesetz dämpft den Anstieg, aber der langfristige Trend zeigt klar nach oben.
Bis 2037 zehn Prozent des Stroms, Strompreis wird Standortfaktor
Nach Angaben der Bundesnetzagentur hatten Rechenzentren und kleinere IT-Installationen 2024 in Deutschland einen Anteil von etwa vier Prozent am Bruttostromverbrauch. Bis 2037 könnte dieser Anteil auf bis zu zehn Prozent steigen. Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das: Der Strom, den KI-Anwendungen verbrauchen, konkurriert zunehmend mit dem Strom für Wärmepumpen, Elektroautos und Industrieproduktion.
Bayerns Digitalminister Fabian Mehring warnt, dass für KI-Rechenzentren der Strompreis zum strategischen Standortfaktor wird: Wer hier dauerhaft 5 bis 10 Cent teurer ist als die Konkurrenz, verliert Investitionen, bevor der erste Server steht. Der Wettbewerb um Rechenzentren wird damit auch zu einem Wettbewerb der Strompreise und Netzentgelte.
EU will Kapazität verdreifachen, doch Netze und Preise sind ungeklärt
Die Europäische Kommission will mit dem Cloud and AI Development Act die Hindernisse beseitigen und die Datenzentrumskapazität der EU innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre mindestens verdreifachen, um bis 2035 den Bedarf von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen zu decken. Der Aufbruch ist politisch gewollt, aber die Frage bleibt, ob die Netze und Kraftwerke im gleichen Tempo mitwachsen.
Die Zahlen zeigen eine klare Richtung: Europas KI-Ambitionen verlangen nach einer Stromversorgung, die heute nicht gesichert ist. Ob Deutschland mit seinem vergleichsweise moderaten Rechenzentrumswachstum eine Nische im energieeffizienten Betrieb finden kann, ob der Ausbau erneuerbarer Energien schnell genug gelingt, um das Trilemma zu vermeiden, und ob der Strompreis als Standortfaktor entschärft werden kann, sind offene Fragen. Die strategische Position Europas im globalen KI-Wettlauf hängt davon ab, ob diese Fragen schneller beantwortet werden als die Energieprobleme der Konkurrenz in den USA und China.
