Zehn Unternehmen knackten in diesem Jahr erstmals die Milliardenbewertung, so viele wie seit 2021 nicht mehr – doch nur noch 54,1 Prozent der Startups arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen, 2020 waren es 71,8 Prozent. Die Industrie verliert monatlich rund 10.000 Arbeitsplätze, nur 15,6 Prozent der Gründer:innen erleben die Kooperationsbereitschaft als hoch. Wer füllt die Lücke, wenn die Industrie weiter Stellen abbaut und die Startups zwar einstellen, aber nicht genug, um das aufzufangen?
Zehn Unternehmen haben in diesem Jahr zum ersten Mal die Milliardenbewertung geknackt, so viele wie seit 2021 nicht mehr, Deutschland kommt auf 39 Einhörner. Das klingt nach Aufbruch. Aber zwischen Halle und Büro klafft ein Graben. Die Schlagzeilen feiern das. Doch wer genauer hinschaut, sieht: Das Geld fließt in die Tiefe, nicht in die Breite.
Nur noch 54,1 Prozent der Startups arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen, 2020 waren es 71,8 Prozent – und das in einer Zeit, in der die Industrie jeden Monat rund 10.000 Arbeitsplätze verliert. Nur 15,6 Prozent der Gründer:innen erleben die Kooperationsbereitschaft etablierter Unternehmen als hoch, am schwächsten schneidet die Geschwindigkeit der Prozesse ab. In der Krise konzentrieren sich viele Unternehmen aufs Kerngeschäft, und ein Pilot mit einem jungen Team rutscht auf der Prioritätenliste nach unten. Ein Gründer, nennen wir ihn Deniz, sagt: „Die Kohle ist da, aber der Mittelstand ruft nicht zurück.“ Das ist kein Einzelfall, das ist System.
Dabei sind Startups ein Jobmotor: 83 Prozent planen in den kommenden zwölf Monaten Neueinstellungen, im Schnitt sollen die Teams um 5,5 Personen und damit um 36 Prozent wachsen. Der Wandel ist real. Aber er hängt am Tropf der USA: 64 Prozent der Startups sind überwiegend auf US-Anbieter angewiesen, konkurrenzfähige europäische Angebote fehlen bislang. Für einen potenziellen Börsengang zieht es die große Mehrheit (62 Prozent) aber immer noch in die USA. Das ist ein Bruch, der tiefer sitzt als jede Kooperationsquote.
Auch am Arbeitsmarkt zeigt sich dieser Bruch: Nur noch 15 Prozent sehen die Suche nach passenden Mitarbeitenden als große Hürde, vor zwei Jahren waren es noch 30 Prozent. Das klingt nach Entspannung, aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Industrie Fachkräfte freisetzt, die Startups jetzt aufsaugen.
Deutschland erlebt einen Geldregen für Startups, aber die Brücke zur Industrie bricht weg. Das eine ist Rekord, das andere ist Regression. Was passiert, wenn die etablierte Wirtschaft den Anschluss verpasst und die besten Ideen in die USA abwandern? Wer füllt die Lücke, wenn die Industrie weiter Stellen abbaut und die Startups zwar einstellen, aber nicht genug, um das aufzufangen?
