1,1 Milliarden Euro fließen bis 2034 nach Villach, nicht nach Dresden. 319 Millionen Euro davon kommen aus dem EU-Chip-Act, obwohl die EU ihr 20-Prozent-Ziel für 2030 bereits aufgegeben hat. 4800 der 5800 österreichischen Infineon-Beschäftigten arbeiten dort, neue Jobs entstehen keine. Wie lange sichert das die bestehenden Stellen?
Infineon steckt 1,1 Milliarden Euro in Villach statt in Deutschland: 319 Millionen Euro kommen aus dem EU-Chip-Act
Infineon baut in Villach die weltweit erste Hochvolumenproduktion für Galliumnitrid-Halbleiter auf 300-Millimeter-Wafern auf. Bis 2034 fließen 1,1 Milliarden Euro in den österreichischen Standort. Die Europäische Union fördert das Projekt mit 319 Millionen Euro aus dem EU-Chip-Act. Im Juli 2026 hat Infineon in Dresden die Smart Power Fab mit fünf Milliarden Euro Investition und 1000 neuen Arbeitsplätzen eröffnet. Der Staat hatte den Bau in Dresden mit einer Milliarde Euro unterstützt. Die nächste Milliardeninvestition geht nach Kärnten.
Warum Villach? Infineon-Chef Jochen Hanebeck nennt die Kompetenz der Mitarbeitenden und ein verlässliches politisches Umfeld als Ausschlag. In Villach arbeiten rund 4800 der 5800 Infineon-Beschäftigten in Österreich. Neue Arbeitsplätze entstehen nach Aussagen von Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria, nicht. Allerdings würden die bestehenden Stellen mit der Milliardeninvestition gesichert. Bundeskanzler Christian Stocker rechnet vor: Jeder Arbeitsplatz bei Infineon sichert knapp drei weitere in Österreich.
Der Markt für GaN-Chips wächst nach Branchenschätzungen auf 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2030, das Sechsfache gegenüber 2025. Hanebeck spricht von einem klaren Bekenntnis zur Stärkung des europäischen Halbleiter-Ökosystems und der technologischen Souveränität Europas. Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer vergleicht Chips mit Öl: Sie seien für die Wirtschaft von morgen so wichtig wie Öl für die Wirtschaft von gestern. Europa stehe derzeit nur für rund zehn Prozent der weltweiten Chipproduktion. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer (ÖVP) sagte außerdem, Österreich sei bei energieeffizienten Chips bereits führend. Für Verbraucher kann das bedeuten, dass künftige Geräte weniger Strom verbrauchen.
Die Förderung aus dem EU-Chip-Act ist Teil einer europäischen Strategie, die jedoch an Grenzen stößt. Das Ziel, bis 2030 einen Marktanteil von 20 Prozent an der globalen Halbleiterproduktion zu erreichen, wurde im Vorschlag für den Chips Act 2.0 fallengelassen. Ein Bericht des Europäischen Rechnungshofs hatte das Ziel als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Die EU-Kommission ist nur für 4,5 Milliarden Euro der angestrebten 43 Milliarden Euro öffentlicher Investitionen verantwortlich, der Rest sind staatliche Beihilfen der Mitgliedstaaten. Standortentscheidungen wie die für Villach hängen damit stark von nationalen Regierungen ab.
Offen bleibt, ob Deutschland bei künftigen Halbleiterinvestitionen ähnlich attraktive Bedingungen bieten kann. Was bedeutet das fallengelassene 20-Prozent-Ziel für die europäische Souveränität? Und wie wirkt sich die Abhängigkeit von nationalen Beihilfen auf den Standortwettbewerb innerhalb der EU aus?
