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Impact Index · Ökonomie & Arbeit

229.000 Stellen fehlen, weil Angehörige zu Hause betreut werden

JH
Jonas Hartwig
2 Min. Lesezeit · 27. Oktober 2026

184.000 Vollzeitäquivalente fehlen dem Arbeitsmarkt 2026, weil Menschen ihre Angehörigen pflegen statt zu arbeiten. Bis 2045 steigt der Wert auf 229.000, ein Zuwachs von knapp 25 Prozent. Nahezu der gesamte Erwerbsverlust entfällt auf Menschen, die mehr als zehn Stunden pro Woche pflegen. Wer fängt diese Lücke auf, wenn fast jeder achte Beschäftigte in der Doppelrolle steckt?

Eine Frau, Mitte fünfzig, reduziert ihre Stelle auf dreißig Stunden, weil ihre Mutter nach dem Schlaganfall Hilfe braucht. Morgens vor der Arbeit die Medikamente richten, abends den Haushalt, am Wochenende die Arzttermine. Irgendwann reicht die Energie nicht mehr für Vollzeit.

Eine Analyse der Bertelsmann Stiftung und der Prognos AG beziffert die Einschränkungen der Erwerbstätigkeit durch Angehörigenpflege für das Jahr 2026 auf rechnerisch 184.000 Vollzeitäquivalente. Bis 2045 könnte dieser Wert auf 229.000 steigen, ein Zuwachs von knapp 25 Prozent. Das ist, als würde eine mittlere Großstadt ihre gesamte arbeitende Bevölkerung nach Hause schicken.

In Deutschland sind rund sechs Millionen Menschen pflegebedürftig, etwa drei Viertel von ihnen werden zu Hause von Angehörigen betreut. Rund 4,6 Millionen Menschen im Erwerbsalter leisten derzeit Pflegearbeit. Wer Verwandte pflegt, verkürzt oft seine Arbeitszeit oder unterbricht die Erwerbstätigkeit. Für die pflegenden Angehörigen ergeben sich Einkommenseinbußen, die sich mitunter auch auf die Altersversorgung auswirken.

Besonders betroffen sind der Studie zufolge Frauen. Sie stellen derzeit rund 63 Prozent der pflegenden Angehörigen und wenden im Durchschnitt mehr Zeit für die Pflege auf als Männer. Sollten sich diese Muster fortsetzen, könnten 2045 rund 580.000 Frauen wegen der Pflege von Angehörigen weniger oder gar nicht erwerbstätig sein. Das entspräche einem Verlust von rund 173.000 Vollzeitstellen, etwa drei Viertel des gesamten errechneten Erwerbsvolumens, das durch Angehörigenpflege wegfallen könnte.

Der Bertelsmann-Arbeitsmarktexperte Eric Thode warnte, die Entwicklung hemme die berufliche Entwicklung der Betroffenen und trübe die Wachstumsaussichten. Fast jeder achte Beschäftigte wird dann in der Doppelrolle stecken.

Ein Befund der Studie ist dabei besonders aufschlussreich: Nahezu der gesamte Erwerbsverlust entfällt auf Menschen, die mehr als zehn Stunden pro Woche pflegen, unabhängig vom Geschlecht. Es ist also nicht die gelegentliche Unterstützung, die Berufsbiografien verändert, sondern die dauerhafte, zeitintensive Verantwortung.

Über den gesamten Betrachtungszeitraum liegt der durchschnittliche Erwerbsvolumenverlust bei 205.000 Vollzeitäquivalenten pro Jahr in der unteren und rund 294.000 Vollzeitäquivalenten in der oberen Modellvariante. Mit durchschnittlich rund 200.000 Vollzeitäquivalenten pro Jahr bindet informelle Pflege Erwerbspotenziale in einer Größenordnung, die auch gesamtwirtschaftlich relevant ist.

Was also tun? Die offenen Fragen sind unbequem. Wer bezahlt die Lohnlücke der pflegenden Angehörigen, wenn sie ihre Stunden kürzen? Wie verhindern wir, dass die Pflege zu Hause die Gleichstellung von Frauen um Jahrzehnte zurückwirft? Und was passiert mit dem Arbeitsmarkt, wenn 2045 tatsächlich 229.000 Vollzeitstellen fehlen, weil Menschen ihre Eltern pflegen statt zu arbeiten?

Dieser Text wurde KI-gestützt erstellt, Aussage für Aussage gegen die Quellen geprüft und redaktionell freigegeben. So arbeiten wir

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