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Lesestoff-Kanon · Ökonomie & Arbeit

Der Assistent gleicht Leistung aus, aber nicht das Können

TR
Tobias Rehm
3 Min. Lesezeit · 23. Oktober 2026

Zwei Drittel von 133 Anwälten in elf US-Kanzleien bekamen einen unveröffentlichten Google-Labs-KI-Patentassistenten, der Rest nicht. Nach 90 Tagen stiegen die Drafting-Scores um 0,38 Standardabweichungen, doch beim Test ohne KI profitierten nur Senior-Anwälte mit 0,45 Standardabweichungen, Junioren gar nicht. David Autor nennt das einen Skill-Disequalizer. Welche Ausbildungsformate vermitteln die mentalen Modelle, die KI nicht ersetzen kann?

In elf US-Patentanwaltskanzleien erhielten zwei Drittel von 133 Anwälten Zugang zu einem damals unveröffentlichten Google-Labs-KI-Patentassistenten, der Rest blieb bis Studienende ohne. Nach 90 Tagen erhöhte der KI-Zugang die Drafting-Scores um 0,38 Standardabweichungen, was einem Zuwachs von 11 Perzentilpunkten gegenüber der Kontrollgruppe entspricht. Die Verbesserung kam durch weniger schwache Arbeit, nicht durch mehr exzellente Arbeit. Beim abschließenden Test ohne KI, dem Markup eines hypothetischen Patents mit vielen Fehlern, übertrafen Senior-Anwälte mit vorherigem KI-Zugang ihre Kontrollgruppe um 0,45 Standardabweichungen, während Junior-Anwälte im Durchschnitt keinen Zugewinn zeigten. David Autor, der die Studie als NBER-Working-Paper mitveröffentlicht hat, nennt das einen „Skill-Disequalizer“: KI gleicht die Leistung aus, aber nicht die Fähigkeiten. Nur wer bereits über grundlegende mentale Modelle verfügte, konnte sein Können ausbauen.

Junge Beschäftigte verlieren bei Jobs und Löhnen

Das ist ein Befund, der weit über Patentkanzleien hinausreicht. In Deutschland zeigen Daten des IAB, dass die Vollzeitbeschäftigung bei den 20- bis 29-Jährigen insgesamt um rund 3 Prozent zurückging, bei den 30- bis 39-Jährigen um 1,3 Prozent, bei den Älteren um weniger als 1 Prozent. In stark KI-nahen Berufen schrumpfte die Beschäftigung der Jungen um 3,8 Prozent, in den übrigen Berufen um 2,6 Prozent, ein Rückstand von 1,2 Prozentpunkten. Gleichzeitig lag die Vollzeitbeschäftigung in Berufen, in denen Sprachmodelle viele Aufgaben beschleunigen könnten, 2025 rund 1 Prozent über dem Niveau von 2022, in den weniger betroffenen Berufen gut 3 Prozent darunter. Die Nachfrage verschiebt sich zugunsten derer, die mit der Technologie produktiver werden, und zulasten derer, die noch lernen müssen.

Auch bei den Löhnen zeichnet sich eine Spaltung ab. In der ifo-Konjunkturumfrage rechnen Unternehmen am ehesten bei weniger erfahrenen Arbeitskräften mit sinkenden Löhnen. Bei Dienstleistern erwarten 53,3 Prozent sinkende Löhne für Beschäftigte mit kurzer Berufserfahrung, 44,2 Prozent für solche mit längerer Erfahrung. Für Arbeitnehmer mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung ohne Hochschulabschluss erwarten 48 Prozent der Unternehmen ein Sinken der Löhne, für junge Akademiker 51 Prozent. Das ist eine deutliche Verschiebung der Verhandlungsmacht.

Sinkende Verhandlungsmacht zwingt Unternehmen zum Umdenken

EZB-Chefökonom Philip Lane bringt diese Entwicklung auf den Punkt: KI könne die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer schwächen und das Lohnwachstum dämpfen. Er verweist auf verhaltene Einstellungspläne, die die Fähigkeit einschränken, einen Ausgleich für die hohe Inflation zu fordern. In der Eurozone nutzen bereits 40 Prozent der Beschäftigten KI im Arbeitsalltag, ein sprunghafter Anstieg von 26 Prozent im Vorjahr; zwei Drittel der 5000 im Rahmen der EZB-Unternehmensumfrage befragten Firmen setzen die Technologie ein. Für Europa sei das Potenzial von KI, den Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter auszugleichen, besonders wertvoll.

Was das für Organisationen bedeutet, lässt sich in drei Schritten fassen. Erstens: KI-Zugang allein reicht nicht, um Nachwuchs zu entwickeln. Die Studie zeigt, dass Junior-Anwälte ohne gefestigte Grundlagen nicht von der Technologie profitieren. Zweitens: Unternehmen müssen gezielt in Grundlagenwissen und Mentoring investieren, bevor sie KI als Produktivitätswerkzeug einführen. Drittens: Die Lohnentwicklung für Einsteiger wird sich wahrscheinlich weiter abschwächen, solange die Verhandlungsmacht sinkt. Führungskräfte sollten das in ihrer Personalplanung berücksichtigen.

Offen bleibt, wie schnell sich die Einstiegsschwelle in verschiedenen Branchen verschiebt. Welche Ausbildungsformate vermitteln die mentalen Modelle, die KI nicht ersetzen kann? Und wie können junge Beschäftigte ihre Verhandlungsmacht zurückgewinnen, wenn die Technologie die Produktivität der Erfahrenen weiter erhöht?

Dieser Text wurde KI-gestützt erstellt, Aussage für Aussage gegen die Quellen geprüft und redaktionell freigegeben. So arbeiten wir

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