Start › Ökonomie & Arbeit › Impact Index
Impact Index · Ökonomie & Arbeit

Die Rezession trifft Berufseinsteiger härter als der Algorithmus

TR
Tobias Rehm
3 Min. Lesezeit · 20. Oktober 2026

Während 30- bis 39-Jährige in stark KI-betroffenen Berufen seit 2022 fast 6 Prozentpunkte besser dastehen, geht die Vollzeitbeschäftigung der 20- bis 29-Jährigen um 1,2 Prozentpunkte stärker zurück. Die IAB-Daten für 22,3 Millionen Vollzeitbeschäftigte zeigen: Die Konjunktur dominiert, nicht die KI. Wann kippt der deutsche Arbeitsmarkt in das US-Muster, wo 22- bis 25-Jährige in KI-exponierten Berufen 19 Prozent stärker verloren?

Wenn ein Personalverantwortlicher im verarbeitenden Gewerbe heute die Einstellungszahlen der vergangenen drei Jahre nebeneinanderlegt, sieht er ein Muster, das die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jetzt bestätigen. Die Vollzeitbeschäftigung in Berufen mit hoher KI-Betroffenheit entwickelte sich seit 2022 bei den 30- bis 39-Jährigen um fast 6 Prozentpunkte und bei den 40- bis 64-Jährigen um rund 5 Prozentpunkte besser als in weniger KI-betroffenen Berufen. Bei den 20- bis 29-Jährigen ging die Vollzeitbeschäftigung in stark KI-betroffenen Berufen um 1,2 Prozentpunkte stärker zurück als in weniger betroffenen Berufen. Das ist kein Jobkiller-Szenario, aber ein Warnsignal für den Berufseinstieg.

Die Analyse nutzt monatliche Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit von Januar 2021 bis Dezember 2025 und erfasst durchschnittlich rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte im Alter von 20 bis 64 Jahren. Zwischen 2022, dem Startjahr von ChatGPT, und 2025 ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland leicht zurück. Die Beschäftigung der 20- bis 29-Jährigen lag im Jahresdurchschnitt 2025 rund 3 Prozent unter dem Niveau von 2022, bei den 30- bis 39-Jährigen betrug der Rückgang rund 1,3 Prozent, bei den 40- bis 64-Jährigen weniger als 1 Prozent. Die Jüngsten tragen die Hauptlast – aber nicht primär wegen KI.

Konjunktur dominiert – anders als in den USA

„Vor allem die Wirtschaftsschwäche der letzten Jahre hat zu einer sinkenden Beschäftigung von jungen Beschäftigten beigetragen, während der Einfluss von KI unterm Strich eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte“, berichtet IAB-Forscher Oliver Schlenker. Junge Beschäftigte reagieren besonders stark auf konjunkturelle Schwankungen: Ihre Beschäftigung ging in Berufen in wirtschaftlich schwächelnden Sektoren zwischen 2022 und 2025 um 4,2 Prozent zurück. Die Rezession trifft Berufseinsteiger härter als der Algorithmus.

Das zeigt auch der Blick in die USA. Eine prominente Studie von Erik Brynjolfsson und anderen kommt für die USA zu dem Ergebnis, dass die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in stark KI-exponierten Berufen um 19 Prozent stärker zurückgegangen ist als in den weniger KI-exponierten. In Deutschland fällt die Differenz mit 1,2 Prozentpunkten deutlich kleiner aus. Werden Homeoffice-Eignung und Konjunkturanfälligkeit zusätzlich berücksichtigt, ist der Zusammenhang zwischen KI-Exposition und Beschäftigungsentwicklung für die 20- bis 29-Jährigen zwar zunehmend negativ, statistisch aber nach wie vor nicht signifikant. Der negative Zusammenhang mit der Rezession ist hingegen mehr als doppelt so stark. Es deutet sich an, dass der deutsche Arbeitsmarkt KI bisher langsamer verdaut als der amerikanische.

Im Verarbeitenden Gewerbe trifft KI – offene Fragen bleiben

Doch es gibt einen Bereich, in dem das Muster schärfer wird. Im verarbeitenden Gewerbe geht eine um eine Standardabweichung höhere KI-Exposition im statistischen Modell für 2025 mit einer um rund 6 Prozent ungünstigeren Beschäftigungsentwicklung der 20- bis 29-Jährigen einher. „Entgegen der öffentlichen Diskussion um die Einstiegsprobleme junger Akademikerinnen und Akademiker lenken die Analysen den Blick eher auf nichtakademisch geprägte Berufe und das Verarbeitende Gewerbe“, erklärt IAB-Forscher Michele Dinelli.

Die offenen Fragen bleiben: Wie schnell kippt der deutsche Arbeitsmarkt in das US-Muster, wenn die Konjunktur anzieht und KI-Investitionen steigen? Und welche nichtakademischen Berufe im Verarbeitenden Gewerbe verlieren zuerst ihre Einstiegspositionen? Die Daten geben darauf noch keine Antwort – sie legen nur nahe, dass die nächste Rezession nicht die letzte sein wird, in der die Jüngsten zuerst gehen.

Dieser Text wurde KI-gestützt erstellt, Aussage für Aussage gegen die Quellen geprüft und redaktionell freigegeben. So arbeiten wir

Teilhabe

Diskutiere mit, ohne Konto. Eröffne einen Thread, vertiefe einen anderen oder gib einer Blase deine Stimme.

0 %